Johann von Sporck

Eine Kurzbiografie des Grafen Johann von Sporck

Ausschnitt eines Ölgemäldes des Grafen von Sporck. Original im Besitz der Familie Austerschmidt in Delbrück
Ausschnitt eines Ölgemäldes des Grafen von Sporck. Original im Besitz der Familie Austerschmidt in Delbrück

“Endlich vor Spork. Neben seinem Schimmel ragt der Graf. Sein langes Haar hat den Glanz des Eisens. Der von Langenau hat nicht gefragt. Er erkennt den General, schwingt sich vom Roß und verneigt sich in einer Wolke Staub. Er bringt ein Schreiben mit, das ihn empfehlen soll beim Grafen. Der aber befiehlt: Lies mir den Wisch Und seine Lippen haben sich nicht bewegt. Er braucht sie nicht dazu; sind zum Fluchen gerade gut genug. Was drüber hinaus ist, redet die Rechte. Punktum. Und man sieht es ihr an. Der junge Herr ist längst zu Ende. Er weiß nicht mehr, wo er steht. Der Spork ist vor allem. Sogar der Himmel ist fort. Da sagt Spork, der große General: Cornet Und das ist viel.”

Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke, von Rainer Maria Rilke

Den weiteren Text finden Sie hier.

Auf der Internet-Seite des Heeresgeschichtlichen Museums in Wien kann man zur Zeit auch die Rüstung des Grafen bewundern.

Zum Geburtsjahr des Grafen

Johann Sporck wurde auf dem Sporckhof in Delbrück-Westerloh geboren. Er ging aus der Ehe des Franz Nolte (gen. Sporck) und einer Tochter des Jobst Sporck, der keine Söhne hatte hervor. Die Ehe wurde um 1594/95 geschlossen. Die Festlegung des Geburtsjahres erweist sich als äußerst schwierig. Das früheste in der Forschung genannte Jahr ist 1595. In Delbrück wurde daher auch 1995 eine Gedenkstein errichtet. Hintergrund für diese Datierung, die heute vor allem von Johann Schefers vertreten wird, ist ein Ölgemälde, das sich im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien befindet. Nach einer Inschrift soll das Bild den Grafen im Alter von 74 Jahre zeigen und 1669 gemalt worden sein. Es scheint sich um das gleiche Bild zu handeln, auf das sich auch Heinrich Benedikt (1923) bei seiner Altersfestlegung bezieht. Auch Hubert Rösel legt sich auf 1595 als Geburtsjahr fest.

Auch für Helmut Lahrkamp spielt ein Sporck-Porträt, welches sich im Besitz der Prager Nationalgalerie befindet, für die Bestimmung des Geburtsjahres eine besondere Rolle. Es trägt die Angabe: Johann Frey Herr von Sporck/Oberister aetat(is): 37 A(nno) 1644. Dannach wäre Sporck 1644 37 Jahre alt und somit 1607 geboren. Ein noch späteres Geburtsjahr 1610 nennt Bessen in seiner Geschichte des Bistums Paderborn von 1820. Immer wieder werden die Jahre 1600 und 1604 genannt. So macht Wilhelm Honselmann einige Ausführungen zum vermuteten Geburtsjahr und nennt auch einige Belege. Rosenkranz nennt die Jahre 1600 und 1601 wobei er als Quelle das Genealogische Reichs- und Staatshandbuch von 1801 angibt. Theo Hamacher ist sich seiner Sache ganz sicher: “Das einzig richtige Geburtsdatum” des Grafen ist der 06.01.1600. Er beruft sich dabei auf eine Kurzbiografie von Josef Friedel aus dem Jahr 1913. Dieser hatte das Geburtsdatumbei der Familie Sporck-Sweerts, die damals noch auf dem Gut in Kukus ansässig war, erfragt. Worauf diese Auskunft dann aber beruht ist nicht bekannt. Dieses Datum übernimmt dann auch Rudolf Kiepke, der sich aber eher literarisch mit Sporck auseinandersetzt.

Ich selbst halte eine Geburt im Jahre 1600 für wahrscheinlich. Gegen ein deutlich früheres Datum spricht, dass die Eltern des Grafen um 1594/95 geheiratet haben sollen und aus der Ehe mindestens ein, vermutlich sogar zwei ältere Brüder hervorgingen. Außerdem würde eine Geburt 1595 bedeuten, dass der Graf noch über 80-jährig als Heerführer tätig gewesen wäre. Gegen eine deutliche spätere Datierung spricht die Tatsache, dass der Graf seine Feuertaufe bei der Schlacht am Weißen Berge bei Prag erhalten haben soll.

Die Biographie soll weitergeführt werden. Bis dahin zunächst ein tabellarisches Zeitraster:

1619 Rekrut im bayrischen Heer in Werl
1631 Kornett im Reiterregiment des Obristen Lothar Dietrich von Bönninghausen
1636 Obristwachtmeister im Arkebusierregiment Del Maestro. Er wird bei Wittstock verwundet.
1639 Obrist im Dienst des Würzburger Fürstbischofs Franz von Hatzfeld
1640 Kommandeur eines bayrischen Reiterregiments
1645 In der Schlacht bei Jankau gefährlich verwundet und bei der Übergabe von Iglau gefangen. Im selben Jahr Beförderung zum Generalwachtmeister
1647 Gemeinsame Flucht mit Jan von Weerth zum Kaiser. Erhebung in den Reichsfreiherrenstand.
1657 Teilnahme an der Belagerung Krakaus. Sporck begleitet den Polenkönig Kasimir und dessen Gemahlin beim Einzug in Krakau
1661 Teilnahme am unglücklichen Feldzug gegen die Türken in Siebenbürgen
1664 Schlacht bei St. Gotthard an der Raab. Sporck zeichnet sich besonders aus. Er wird vom Kaiser zum Oberbefehlshaber der gesamten kaiserlichen Reiterei ernannt und in den Reichsgrafenstand erhoben.
1672 Sporck hat den Oberbefehl über die gesamten kaiserlichen Truppen bei der Niederschlagung des Malcontentenaufstands in Ungarn.
1674 Winterlager in Brilon. Sprock besucht seine Heimat und erwirkt den Freibrief für den elterlichen Hof
1675 Sporck verläßt die kaiserliche Armee endgülig und zieht sich auf seine Güter in Böhmen zurück
1679 Am 06. August stirbt Sporck auf seinem Gut Hermannestec

Sporck in der Volkskultur

Die Gestalt des Grafen Sporck ist vielfältig auch volkstümlich verarbeitet worden. Als Beispiel hier ein Volkslied, das um 1900 in Geseke, ca. 18 km von Delbrück entfernt entstanden ist:

Sporcklied

Sporck in der Literatur

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Benedikt, Heinrich: Franz Anton Graf von Sporck (1662-1738). Zur Kultur der Barockzeit in Böhmen, Wien 1923.

Hamacher, Theo: Aufsätze zur Geschichte und Kultur insbesondere des Paderborner Raumes, Paderborn 1986, (Selbstverlag) S. 120 – 210

Honselmann, Wilhelm: Johann Graf von Sporck (1600-1679) und seine Verwandten im Delbrücker Land, Westfälische Zeitschrift 136, 1986, S. 319-334.

Kiepke, Rudolf: Johann von Sporck, Kleine Westfälische Reihe 5, 1958.

Lahrkamp, Helmut: Ein Sporck-Porträt aus dem Jahre 1644, in: Westfalen 74, 1996, S. 164 f.

Lahrkamp, Helmut: Jan von Werth, Sein Leben nach archivalischen Quellen, Köln 1962 (Jan von Werth war der wesentliche Förderer Sporcks und über einen langen Zeitraum sein Vorgesetzter)

Rösel, Hubert: Johann Graf Sporck (1595 – 1679) und Franz Anton (1662 – 1743) in: Westfälische Lebensbilder Bd. 11, Münster 1975, S. 203 – 226.

Rosenkranz, Georg Joseph, Graf Johann von Sporck, K.K. General der Kavallerie, Paderborn 1854, Nachdruck Heimatvereine Rietberg und Schöning (Hg.) 1979.

Schefers, Johann: Johann Graf von Sporck, Sohn des Delbrücker Landes, Seine Familie und Nachkommen Kulturträger und Förderer sozialer Dienste in Böhmen, Delbrück 1998 (Selbstverlag)
Die hier aufgeführte Literatur habe ich auch in meiner privaten Bibliothek. Sie kann ggf. auch bei mir ausgeliehen werden. Natürlich gibt es in erheblichem Umfang weitere Literatur.