Capitel VI.

Von der Leibzucht

§1

Da die abtretenden alten Eheleute auf ihre Lebenszeit von den Gründen der Meierei den 3ten Theil zur Leibzucht für sich abnehmen, so muß auch denselben zu Behuf der Wohnung annoch eine Behausung von den jungen Meiern würklich eingeräumt, oder wo solches Leibzuchtshaus besonders nicht vorhanden, ein neues wenigstens an 4 Fach groß gebauet werden, welches aber von dem Leibzüchter in Dach und Fach erhalten, im Fall der Unvermögenheit solchen von dem Meier errichtender Behausung jedoch dem Leibzüchter in dem rechten Meierhause, nebst der Wohnung, zur Hinlegung des Korns, Strohes, Heues, Futters und dergleichen auch zu Stallung des Viehes der Platz nach der Proportion verstattet werden muß.

§2

Besagter dritter Theil ist nicht allein von den Gründen, sondern auch von Gehölz, fort auch von der Mastung zu verstehen, so daß die Leibzüchter das dritte Schwein aufzutreiben, und das dritte Fuder Holz zu ihrer Nothdruft zu fällen befugt sind, jedoch mit der Bescheidenheit, daß Falls der Lastragende Meier zu Behuf Abführung deren Landschatzungen, etwa einen abständigen Baum zu versilbern aus Noth gemüssigt würde, dier Leizüchter eben darnach sich nicht reguliren müsse.

§3

Mehrerwehnter 3ter Theil findet auch bei denen Gründen Platz, welche etwa auf geweisse Jahre versetzt und nach Erlöschen der darinnen haftenden Schulden dem Erbe ohnentgeldlich wieder anheim fallen. Es muß aber sothaner Rückfall vom Leibzüchter abgewartet werden.

§4

Nebst obgedachten 3ten Theil hat auch der Leibzüchter privative und vorab für sich zu nutzen und zu gebrauchen alle die Gründe, welche er auf der Meierei entweder aus der Waldung acquiriert oder aus dessen eigenen Mitteln (ohne deshalb auf den Gütern Schuld gemacht zu haben) erworben, obsonst titulo seu oneroso seu lucrativo an sich gebracht hat, Inmaßen sodann derselbe deren vom ihm errichteten neuen Gebäude sich privative zu bedienen bemachtet ist, jedoch wenn er mehrere Häuser gebauet, behält er darab nur eins zum Behuf der Leibzucht, es wären dann die Häuser auf der Gemeinheit aufgerichtet.

§5

Von den fahrenden Effecten als Hausgeräth und Bestialien, auch Korn, Heu, Stroh, Mist, fructibus pendentibus et exatantibus, forthin allingen zur agricultur gehörigen Mobilien und Moventien, welche zur Zeit der Theilung vorhanden, bleibt bei den abtretenden Leibzüchtern die Halbschied.

§6

Die bei den Abtretern vorräthige Baarschaften an Gelde, aber auch die Gold- oder silbernen Pfennige, Kreuzer, Ringe, Ketten, Armbänder und dergleichen Pretiosa, so den Namen eines Hausgeräths nicht führen, wie auch die Kleider, des Ehebett und was sonsten ordinair in Kisten und Kasten verschlossen pflegt verwahrt zu werden (jedoch das Linnen und Hanf, so in den letzten Jahren gezeuget, ausgenommen) bleibt ihm privative bevor, und ist der Theilung nicht unterworfen, wie auch ebenermaßen die fremde Gründe, worin der Abtreter Gelder ex propriis vorgeschossen, und selbe dafür unter hat, zur Theilung nicht gebracht werden, es seye dann, daß derselbe dahin gegen auch die Güter in Schulden gesetzet, und socher maßen der junge Meyer das Erbe mit Schuld und Unschuld (ut vulgo appellant) angenommen habe.

§7

Dem vom rechten Meyern angeheiratheten zweiten, dritten etc. Ehegatten, welchen die Meyergerechtigkeit nicht aufgetragen worden, fällt auch zwar auf vorigen Fuß die Halbscheid der fahrenden Effecten bei Abnehmung der Leibzucht zu, es hat aber ein solcher von denen Gründen, Holz und Mastungen etc. am Platz obgenannten dritten Theils, Zeitlebens nur den sechsten Theil zu genießen.

§8

Da aber ein solcher Angeheiratheter, welcher nämlich das Meierrecht nicht gewonnen, nach Absterben des ersten rechten Meyers zur zweiten Ehe schreitet, und solcher maßen das Erbe von zwei Wildfremden besessen wird, so kann derselbe seine noch übrige ihm verschriebene Meierjahre diesem dritten zwar wohl auftragen, es hat aber dieser dritte nach jenes seinem Tod und Erlöschung der demselben aufgetragenen Jahren von der Leibzucht kein gewisses Quantum zu gewärtigen. Es wäre dann in den vorhergegangenen pactis von den nächsten Befreunden des Minderjährigen Anerbens deshalb eine ausdrückliche Vorsorge getragen worden; so aber solches in denen zweiten Ehepacten (da nämlich der erste Meier oder Meiersche ad 2da vota geschritten) etwa vernachlässiget wäre, solchenfalls muß bei der letzten Verschreibung von den Befreunden dahin besondere Acht genommen werden, wie viel nämlich ein sothaniger dritter Ehegatte an Vermögen auf die Güter bringet oder welchermaßen sonst derselbe als ein guter Wirthschafter seine Jahren hindurch dem Erbe fleißig vorstehen mögte, gestallten ihm nebst der einfachen Wohnung etwas an Land und Heuwachs, auch ein Pätzchen im Garten dem Befinden nach zum Leibgeding pflegt verstattet zu werden. Wiewohl ein solcher beim Abzug von der Meierey und Theilung nicht weniger als ob er rechter Meier gewesen wäre, die Halbscheid derer Mobilien und Moventien zu gewärtigen hat.

§9

Die von dem erstern Meier oder Meierschen in erster, zweiter oder fernerer Ehe auf der Meyerey gezeugten Kinder werden von den angetretenen jungen Meyern alimentirt, und (nachdem dieselbe soweit erwachsen, daß sie dem Erbe mit Arbeit vorstehen helfen können) ihnen nebst der Kost und lindenen Gezeug zum Behuf Anschaffung der wollenen Kleider gewisses an Korn und Hanf gesäet, auch wohl ein Füllen, Rind, Schwein oder Schaafe mitgefüttert, um diese Sachen nachgehends verkaufen, und daraus ein Stücke Geld machen zu können, und pflegt fürs erste Mal, denselben zur Einsaat der Saamen, auch das ausfütternde Vieh gegeben, nachmals aber von ihnen selbst angeschafft zu werden; gleichwie ihnen der Meier auch die Länder zur Saat gebührend zuzustellen hat, so hat derselbe dahingegen, jedesmal das ausgedroschene Stroh zu gewärtigen.

§10

Denen Leibzüchtern thuet von der Leibzucht der Genuß aller Orten nachfolgen, sie seyend auch selben einem dritten zu verheuern bemachtet, wie wohl dannoch bei diesem letztern Fall dem jungen Meiere zu solcher Conduktion vor andern her das Vorrecht zu Statten kommt.

§11

Nach geschehener Theilung und Abnehmung der Leibzucht ist der Leibzüchter für das erste Jahr die halbe Land- und Beischatzungen, Dienste, Dienstgelder und allinge Lasten, nachgehends aber alljährlich nur den Rebenschatz nach Maaß der genießenden Leibzucht, als nämlich den dritten oder resp. sechsten Theil abzuführen verbunden.

§12

Alles dasjenige was in gegenwärtigem Capit. der Theilung und Leibzucht, von denen rechten Meyern oder Meyerschen in concreto erwähnt worden, solches findet auch (in dem Fall wenn etwa einer davon mit Tode abgegangen) durchgehends bei dem überlebenden für dessen Person alleine eben selbigen Platz, als wenn sie noch beide im Leben wären.

§13

Der Leibzüchter kann die Leibzucht nicht mit Schulden beschweren, noch etwas davon versetzen, obsonst veräußern, zumahlen selbe nach dessen Tod in der Eigenschaft wie selbe überkommen, dem Erbe wieder zufällt.

§14

Letztlich kömmt hierbey anzumerken, daß derjenige, so die Leibzucht genießen will, zuvor seinen Brautschatz auf das Erbe bringen müsse.