Capitel VII.

Vom Tropfenfall, Zäunen und Gevesten, auch Graben-Rechten

§1

Eine lebendige Recke hat an des Nachbarn Grunde einen Tropfenfall von anderhalb Fuß, und zwar darum, weil derjenige so dergleichen lebendige Recken zum erstenmale pflanzet, von seinem eigenen Grunde sothane anderhalb Fuß liegen lassen muß, dahero er auch befugt ist, so weit er mit einem Bardenhelf ad 1 Elle lang vor dem Zaune stehend, darüber reichen kann, das Holz wegzuhauen, und gleich wie man mit Setzung einer Todten Hecke dem Nachbarn nichts zu weichen bedarf, so kann man auch nachgehends davon keinen Tropfenfall prätendiren. Hier bey kommt noch anzumerken, daß wenn einer im Felde, wo es etwa erlaubt wäre, sein Land mit einem Zaun umziehen würde, dem Nachbarn so weit weichen müsse, daß dieser mit dem Pflug umkehren könne, es wäre aber regulariter nicht zugelassen, im gemeinen Felde einen Zaun anzulegen, auf daß die etwa gemeinschaftliche Schaafhude oder sonstige Trift nicht behindert würden.

 
§2

Ein Wall um einen Zuschlag oder Kamp, worauf eine todte Hecke gesetzt wird, muß wenigstens drey Waßen und zwey Erre Zaun, deren jede ungefähr eine Wanne hat, hoch und dermaßen stark eingerichtet seyn, daß selbiger von einem starken Mann 3 Fußstöße aushalten, und dennoch in ohnverlaßenem Stande verbleiben könne. Der Wall um eine Wiese aber erfordert in der Höhe 7 Waßen und eine Hagebräcke, und obzwar um solche Geveste an den Straßen oder Gemeinheiten annoch besonders ein Graben gemacht werden kann, so darf selbiger dennoch in der Breite nicht mehr denn oben drey, und unten im Grunde zwey Fuß halten. Auswärtige Grabens an der Gemeinheit oder wo sonst den Nachbaren kein Schade geschieht, haben keine gewisse Maaß noch Ziel.

 
§3

Ueber welchen Graben dann dem gemachten neuen Zuschlage auf dem gemeinen oder sonst daran stoßenden privaten Grunde weiter nichts gestattet, noch auf dem Ufer einige Putstämme zu setzen, oder Erlen und ander Holz zu pflanzen erlaubet wird, da sonst die implantata, und der darab etwa künftig erhoffender Genuß dem Grunde folget, worinnen selbe Wurzeln geworfen haben.

 
§4

Wann aber das also, wie vorgedachtes befestigtes Grundstück kein neuer Zuschlag, sondern ein altes appertinens des Erbes ist, solchermaßen hat vorzeiten dessen Besitzer ebenfalls zum Tropfenfall soweit von dem Gemeindegrunde daran prätendiren, und sich zueignen können, als wie weit derselbe auf seinem rechten Fuß an dem Graben stehend, mit der rechten Hand unter dem linken Beine her ein Pflugeisen auf den gemeinen Grund werfen könne, welcher Gebrauch aber nachgehends ab, und das Grabenrecht durchgehends auf 18 Fuß gestellt worden, auf welchen 18 Fuß sich erweiterten Grunde dann von besagten Besitzern des Grundes das Plaggen und Torfmatt exerciret, auch das daselbst etwa aufschlagendes junge Holz genutzet, selbige 18 Fuß aber ohne vorhergehende, und zwar von den Gemeinheitsgenossen bewilligter Beweinkaufung nicht umwallet noch in Zuschlag genommen werden könne.

 
§5

Falls aber ein solcher 18 füßiger Tropfenfallsgrund mit Consens der Gemeinde beweinkauft und in Zuschlag genommen, so mögen für einen neuen Tropfenfall mehremalen keine 18 Fuß aus der Gemeinheit gefordert werden.

 
§6

Wenn ein Nachbar oder sonst ein anderer an des dritten Wrächten und Graben etwa eichen Heister oder Wiedenputtstämme setzen will, muß derselbe wenns in der Gemeinheit geschieht, besagte 18 Fuß ungekränket belassen, auf den Büschern aber hat ein solcher die gewöhnliche Schnad in Licht zu nehmen, zumal alda ein 18 füßiger Tropfenfall regulariter nicht Platz findet.

 
§7

Bei Pflanzung der eichen Heistern oder sonst andern endlich im Zopf sich ausbreitenden Bäumen muß dahin gesehen, und darmit soweit von des Nachbaren Grunde gewichen werden, daß die sich erweiternde Zweige durch den Schatten und Tropfenfall demselben schier künftig keinen Schaden zufügen mögen, indem sonst dem Nachbaren zu gelassen ist, die auf seinem Grunde überhängenden Äste bis auf die Schnad ab- und so hoch weg zu hauen, als wie hoch er einen Erndtewagen, und auf dessen Leitern stehend mit einer zu 2 Schuh lang gestiehlter Barde selbe abreichen kann, welches auch derjenige zu thuen befugt ist, welcher durch eine Straße seinen Fahrweg hat, und durch dergleichen Zweige behindert wird; so kann auch einer seine zwischen andern Gründen habende Trift mit Puttstämmen, falls selbe vorher alda nicht gewesen, keineswegs bepflanzen.

 
§8

Bei Legung einer Hopfenbank muß des Nachbarn Grund so weit gewichen werden, daß ihm dadurch kein Schaden geschehe, und wo keine gewesen, braucht der Nachbar selbe nicht zu gestatten.

 
§9

Wann einer auf der Gemeinheit pflanzet, dadurch erwirbt er für sich kein Recht noch künftige Ansprach an das implantatum, sondern bleiben die anwachsenden Bäume und darab kommenden Früchte gleichfalls gemein, es wäre dann von dem implantatore eine von denen Gemeinheitsgenossen bewilligte Beweinkaufung dazwischen getretten.

 
§10

Wo zwei oder mehre ihre Kämpe haben, alwo zwischen durch ein gemeiner Fahrweg läuft, muß der Tropfenfall durch die Bepflanzungen dermaßen beachtet werden, daß einer mit einen zwerch vor sich habenden s. g. Wiesenbaum ohnbehindert die Straße oder Fahrweg passiren könne.