Privileg

Das Privileg von 1415 ist eines der wichtigsten Quellen zur Delbrücker Geschichte. Auf dieses Privileg gehen die meisten Besonderheiten der Delbrücker Verfassungsgeschichte zurück. Ich werde hier zunächst den Text des Privilegs veröffentlichen. Es liegt in gedruckter Form vor und zwar als Anlage zum Aufsatz Hermann Hallermann: „Die Verfassung des Landes Delbrück bis zu Säkularisation des Fürstbistums Paderborn“, Teil II, Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde (heute Westfälische Zeitschrift) 80, 1922. Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt eine ausführliche Einleitung zu dem Text vorlegen.

Reversal der Urkunde von 1415

 Datum per copiam. Wy Diederik van godes gnaden unde des heiligen stoils to Rome ertzbisscop to Colne, des heiligen Romsschen rikes in Italien ertzcanceler, hertoge in Westfalen unde vorwesere unde her des stichtes to Paderborn bekennen opinbare in dessem breve, vor uns unde alle unse nakommen bisscope to Paderborn, dat wy na rade, witscap unde vulbord der eirsamen heren domproestes, domdekens unde capittels unsir kerken to Paderborn egenant sallet unde willet unse lieven undirsaten unde lantlude wonachtich in dem lande to der Delbruge latin unde beholdin bi all ern alden rechtin, frigheiden unde loveliken wonheiden unde bi den guldin rechtin unde upkommen, de se plichtich sint eynem bisscope to Paderborne, sinen amptluden unde dem lande dair sulves to gewende unde to betalende in allir wise, alse hyr na gescreven steit.

To dem ersten sint se schuldich, eynem bisscope to Paderborn edir sinen amptludento gewende meigbede unde hervestbede alle iair an paderbornschem gelde.

Item is eyn iuwelik husgenote in der Delbruge eynem bisscope to Paderborn schuldich unde pflichtig to gewende dat hanich na alder wonheit to betalende, wan dat Seendampd hanich hefft, wanner dat selve Seendampd nein hanich enhefft, so sal eyn iuwelik hussgenote geven dat geld dair voer na geboire, alse dat van alders gewest is bitte herto.

Item wan eyn swinemast kompt, so sal eyn vulschuldick husgenote geven unde betalen eyn swin van dren schillingen paderbornschen geldes. Dat swin sal dan de amptman driven eder driven laten in des heren mast to sinen swinen. En worde aver nein mast, so sal eyn iuwelik husgenote dat swyn mesten na redelicheit. Sonder eyn half husgenote, de is schuldich de helfte eyns swins to gevende unde to mestende alse vorgescreven is.

Item eyn iuwelik hushere, de woend in eynem hofe, de holtes plichtich sint to gevende, de sint twe foder schuldich; dat eyne sal he betalen unde foren to middewintere up dat Nigehuss, dat andere ton Soltkoten to solte to sedende.

Item so ist eyn itlik hushere schuldich alle iair dre hoenre, unde de to Westenholte woend, unde anderer heren lude, de sint twe hoenre plichtich to gewende; dan de jene, de up er lifftucht woend eder lifftuchtere sint, unde de jene, de wonachtich sint in dem Dorpe, de en sint nener hoenre plichtich to gevende.

Item so is eyn iuvelik hushere plichtich eynen dach to meigende utgesproken de Frigenhegere, de en sint des nicht plichtich.

Item wan men eyne echtescap maket, de sollen dan na wonheit des landes tor Delbruge eynem bisscope eder sinen amptluden geven vif schillinge vor eynen beddemund unde sees verlinge vor eynen buedel, dair men dat geld insteke. Dair mede sal men der heren vulbord heben. Entwedemede eder berofede iemant eyne joncfrouwen unde beneme der er joncfrouweliken ere, de sal dat betteren da alder wonheit.

Item woer eyn hushere eder eyn husfrouwe vorstervet, dair sollen de heren eder er amptlude nemen to erve dat neeste hovet dem allirbestin an perden eder koigen. En is dair nen levendich deer der vorgescreven, so sal men vor dat erve nemen dat beste cleid.

Item woer eyn erffafftich gued vorlediget, dat eynem bisscope to hoert, we dann dat erve vor eynen rechtin erven entfaen eder bestritten wil, de is schuldich eyem bisscope eyne mark paderbornssches geldes unde eynem fogede eyneb meigerschillink unde eynem vorstere eynen vorstpenink.

Item woer eyn hushere eder sin husfrouwe, de up erffafftigem gude sittet eder woend, und eyn kind beradet up dat erve, dat is schuldich dem heren de rechten pacht to gevende van dem erffafftigen gude; so mogen dan de anderen kindere der sulven husheren unde husfrouven vorgescreven mit witscap eyns bisscops to Paderborne edir siner amptlude unde na rade erer vormonden gaen, woer en dat like liget, wo si geven all jair up sente Liborius altare sees peninge und eyn hoen eynem domkostere van der (tyt) to Paderborne to vulleste dem geluchte, eder eynen penink, ist dat de van armoede neyn hoen en hefft. Ensche aver dat nicht alle jerlikes, de jene, de dat vorsumede, de solde dair mede sins rechtin vorvallen sind.

Item de sonderschuld unde pacht, de van der sondere vellet, is alle des bisscopes to Paderborn.

Item alle schuld unde pacht, de kompt van dem Suthagen de is eyns bisscops to Paderborn half, de dal men betalen up sente Dionisius dach.

Item wan eyn clockenslakch wert unde wan eyn bisscop to Paderborn wil ligen to velde, so sal eyn iuwelik hushere, dem dat gekondiget wert, volgen na siner macht. Welker des nicht en dede unde mit vorsate nicht enlete, de sal gebroken hebben vif schillinge. Lete de aver dat mit vorsate, so solde de gebroken hebben na gnaden der heren unde des landes.

Item alle broke, de vallet in dem lande, de sint to born half des heren, de andere helfte sal sin des landes vorgescreven. De helfte, de dem lande vellet, sal men kontliken in des gemenen landes nut keren; dair sal men ok des heren amptluden van dem lande gude rekenscap van doin.

Item der overste broke in dem lande is dertich schillinge eder eyn lif.

Item en sal nemand den anderen laden ut dem lande mit burgerichte eder gogerichte vorder dan vor den Hagedorn. Dair sal eyn iuwelik recht nemen unde geven, geven unde nemen als sek dat geboret.

Item wan eyn bisscop to Paderborn um noet willen des stichtes na rade, witscap unde vulbord des capittels to Paderborn eyn gemene schattinge doen moste over dat stichte, dair solden de von der Delbruge nicht vorder to doen eder geven dan andere lude in dem stichte besetten.

Item de jene de eynss hern honde plichtich sind to holdende in der Delbruge, twige in dem jare, der juwelik mach io to der tyd dair vor geven unde betalen twe schillinge, unde dair mede mach he der honde vordregen sin.

Mit allen vorgescreven articlen semptliken unde bisonderen endenke wy Diderik ertzbisscop, vorwesere unde here des stichtes to Paderborn andere heren unde er lude in dem lande tor Delbruge vorscrefin an ern rechtin unde wonheiten nicht to virkortende neinerley wys.

Dessen to tuge unde merer sekerheit hebbe wy Diderik vorgescrefin vor uns und unse nakommen bisscope to Paderborn unse ingesegel to vorn mit uns capittels to Paderborn grotin ingesegel an dessen breff doen hangen. Unde wy domproest, domdeken unde capittel egenant bekennet, dat wy in teken unsir witscap unde vulbord gegeven to dessen dingen hebt unses capittels grote ingesegel nest uns heren van Colne unde Paderborn ingesegel an dessen breff latin gehangen. Datum anno domini millesimo quadringentesimo quinto decimo ipso die Elisabeth. vidue.

Unde wy gogreve, raid unde gemeinheit des landes tor Delbruge vorgescreven bekennet opinbare in dessem breve, dat desse iegenwordige breff inholdet unde ludet van woidren to woirden alse de hovetbreff, unde des to tuge, so hebbe wy gebeden den beschedenen Corede, vorstere, uuses landes man, sin ingesegel vor uns an dessen breff to hangende. Unde ek, Cored, vorstere vorgescreven, bekenne, dat ek umme bede willen gogreven, rades unde gemeinheit vorgescreven hebbe min ingesegel an dessen breff gehangen. Datum anno et die quibus supra.

a_buch03Mein Literaturtipp:

Hermann Hallermann: Die Verfassung des Landes Delbrück bis zur Säkularisation des Fürstbistums Paderborn, Teil I, Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde 77 (1919), S. 76 – 127. Teil II., Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde 80 (1922), Abteilung 2., S. 1 – 63.