Die Lippischen Schützen

tja sorry, das mit der Hintegrundmusik klappt nur beim Internet-Explorer

Das Lied von den Lippischen Schützen ist sicher eines der beliebtesten Volkslieder im ostwestfälischen Raum. Da es deutlich pazifistischen Charakter hat, gehört es zu meinen Lieblingsliedern und wird bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit vorgetragen. Wie mir kürzlich bekannt wurde, hat das Lied eine solche Verbreitung gefunden, dass es einem Delbrücker in den USA von einem Amerikaner vorgetragen wurde. Das Lied habe ich auch als Motiv einer alten Postkarte gefunden. Ich habe die auf dieser Karte angegebene letzte Strofe bewusst nicht übernommen, weil sie die eigentliche Aussage ins Gegenteil verkehrt.

Von dem Lied scheint es unendlich viele Strophen zu geben, da jeder Ort im westfälischen Raum eine eigene Strophe hinzugefügt hat. Im folgenden möchte ich alle mir bekannten Strophen dokumentieren. Ich bin aber dankbar, wenn ich diese Strophensammlung durch Ihre Anregungen erweitern kann.

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Zu 70 da zogen Lippischen Schützen
nach Frankreich hinein um das Vaterland zu schützen
Ref.: Und zum truderidera, und zum truderidera, und zum truderidara, ja die Lipper die sind da.

Sie zogen mit ihren schweren Geschützen,
und Dunner wie dat hagelt, wie dat wettert, wie dat blitzet.
Ref.

So zogen sie fröhlich und guter Dinge,
von Detmold nach Lage und von Lage nach Lippspringe.
Ref.:

Und als sie dann kamen durch das Lippsche, Lippsche Horn,
da hatten sie schon ihre Fahne verlohrn.
Ref.:

Mensch hat denn keiner den Fähnrich gesehen,
man weiß ja gar nicht wo der Wind her tut weh`n
Ref.:

Und als sie dann kamen durch das schöne Städtchen Schlangen,
war Hillgenschröders Fritze schon `n Schuss los gegangen.
Ref.:

(Mensch Fritze, wie konnze bloß? Och, is mich einfach los gegangen!)

Und als sie dann kamen durch das heilige Paderborn,
beguckten sie sich die Nonnen, von achtern und von vorn.
Ref.:

Bevor sie dann zogen nach Delbrück hinein
da tat denn auch der Kirchturm noch grade sein.
Ref.:

Denn der ward nicht krumm von Sturm und solchen Sachen,
er mußt über die Lipp’schen Marketenderinnen schmunzeln.
Ref.:

Zu Delbrück gibt es auch noch eine plattdeutsche Strofe:

Un as dann dör Diälbrügge toch dann de Meute,
do han de eisten Kerls all Blosen anne Foite.
Ref.:

Und als sie dann stapften durch Ostenland,
da fielen vor Schreck die Fliegen von der Wand.
Ref.:

Und als sie dann kamen nach Sudhagen hinein,
da kehrten sie erstmal bei Blienerts ein.
(kann natürlich auch Ewers gewesen sein, das wussten sie hinterher nicht mehr so genau)
Ref.:

Und als sie dann kamen nach Gützel (Gütersloh) hinein,
da dachten sie schon die Dalke wär’ der Rhein
Ref.:

Und als sie dann kamen durch die qualmige Stadt Essen,
da ham se ihren mitgebrachten Pickert aufgegessen.
Ref.:

Und als sie dann kamen an den freien deutschen Rhein,
da taten sich die rheinischen Mädchens wohl freun.
Ref.:

Sie dachten wir wären wohl die Steiermärker Schützen,
vonwegen unsere roten Striemens anne Büchsen.
Ref.:

Die Franzosen die schießen so ins Blaue hinein,
die bedenken wohl gar nicht, dass da Leute könnten sein.
Ref.:

In unserer Festung da war es ja doch ganz schön,
da konnte man den Feind durch diese Gucklöcher sehn.
Ref.:

Und schlich sich mal so ein Feind herein,
denn konnte man noch laut im Hilfe schrein.
Ref.:

Und bei der Leipziger Völkerschlacht,
da hätten wir beinah ein’ Gefangenen gemacht.
Ref.:

Wer schleicht denn da im Busch herum?
Das ist doch wohl nicht der Napoleum?
(wie schreibt man denn “nusavong, vusaweh, un isser weg?” Ich kann nämlich kein französisch.)
Ref.:

Und als sie dann zogen nach Frankreich hinein,
da tat der Krieg schon zu Ende sein.
Ref.:

Da kippten se sich erstmal gewaltig einen rein,
und gründeten ‘nen Krieger-Gedenkverein.
Ref.:

vom eigentlichen Geschehensablauf her ist das Lied hier zu Ende. In Delbrück werden aber zwei weitere Strophen kolportiert, die eigendlich nicht fehlen dürfen:

Es lag eine Leiche im Teutoburger Wald,
der Revolver war noch warm, nur die Füße warn schon kalt.
Ref.:

Und wer den freien deutschen Rhein nicht will missen,
der soll sich gefälltigst selber einen malen.
Ref.: